Frage der Woche 16


... Was wäre, wenn …

… wir mit der Vergangenheit Frieden schließen?


Das wunderbare an der Vergangenheit ist, dass sie vorbei ist und wir jeden Moment neu erleben dürfen.


Jeder von hat sie, die Vergangenheit, mit Glück, mit Schmerzen, mit Liebe, mit Abenteuer, mit Schicksalsschlägen ….

Eine wesentliche Voraussetzung für Zufriedenheit und Glück im Leben ist, dass wir die Vergangenheit annehmen und mit ihr Frieden schließen.


Negative Erlebnisse aus der Vergangenheit können es uns sehr schwer machen, in der Gegenwart zu leben. Aufwühlende Erinnerungen, Vorwürfe oder Schuldgefühle quälen uns immer wieder.

Es kommt ein Moment, in dem es gesünder für uns ist, die Vergangenheit loszulassen und Frieden zu schließen, denn durch unser Leiden, unser Klagen, bleiben wir an der Vergangenheit gebunden.

Sicher, es gibt Schicksalsschläge, die lassen sich nicht so einfach loslassen, brauchen ihre Zeit für Trauer und Verarbeitung.

Ich spreche hier von Fehlentscheidungen, die wir getroffen haben, von verpassten Chancen oder alten Verletzungen durch geliebte Menschen. Geschichten, die wir immer wieder herauskramen.

Wenn uns Scham, Schuldgefühle oder Groll an vergangenen Situationen immer wieder quälen. Wenn wir uns für ehemalige Entscheidungen verachten, dann fügen wir uns den Schmerz immer wieder selbst zu – hängen in der Vergangenheit fest.

Ja, wir hätten viele Narben nicht, wäre unser Leben anders verlaufen. Wahr ist aber auch, wir hätten viele unserer positiven Eigenschaften nicht, wenn wir bestimmte Erfahrungen nicht gemacht hätten. Alles, was wir erlebt haben, gehört zu uns. Es sind unsere gemachten Erfahrungen, die zu Wachstum, Weisheit und Reife führen. Durch alle diese Ereignisse bekamen wir die Möglichkeit, immer mehr wir selbst zu werden. Unsere Persönlichkeit bekam Einzigartigkeit durch unsere Geschichten.


„Der Irrtum ist die tiefste Form der Erfahrung.“ Martin Kessel


Wie wäre es, wenn wir alles tun, um dieses Leid nicht noch weiter in die Zukunft zu verlängern? Uns und anderen vergeben, anstatt Gefangene unserer eigenen Geschichte zu bleiben? Weil es endlich auch mal gut sein muss!? Weil wir wirklich genug gelitten haben!?

Welche Situationen unseres Lebens gehören neu bewertet? Welche unserer alten Geschichten sollten umgeschrieben werden, weil sie uns schon viel zu lange einschränken und binden?


„Innerer Frieden beginnt in dem Moment, wo du entscheidest, Ereignissen oder anderen Menschen nicht zu erlauben, deine Emotionen zu kontrollieren.“

Pema Chodron


Unsere Vergangenheit ist unabänderlich – die Zeit ist vergangen, einfach vorbei.

Unserer Vergangenheit oder den Spuren negativer Erfahrungen zu entfliehen, ist unmöglich, denn sie gehören zu unserem Leben. Hätten wir damals den Mut, das Wissen und die Fähigkeit von heute, hätten wir anders gehandelt -hätte, hätte …

Wir hatten damals unsere Gründe so zu handeln, wie wir es taten – Punkt.

Wir schaffen es oft nicht, unsere Vergangenheit hinter uns zu lassen, weil wir nicht akzeptieren können, was passiert ist – und dass es vorbei ist. Obwohl es nicht hilfreich ist, über die negativen Ereignisse unseres Lebens zu klagen, machen wir meist genau das. Wir hinterfragen, überlegen, grübeln: „Was wäre, wenn …? Wir malen uns irreale Szenarien aus, denken ständig darüber nach, was gewesen wäre, wenn …. Wir stellen uns einen möglichen Ausgang vor und sehnen uns nach einem Leben, das wir nicht haben und niemals haben werden. Solche Gedanken ziehen uns nur hinunter und sorgt für Frustration.

Ein „Ja“ zu unserer Vergangenheit bedeutet, zuzugeben, dass die Dinge nie wieder so sein werden, wie sie einmal waren. Egal, was wir machen – selbst wenn wir es schaffen, den Schaden oder die Folgen wiedergutzumachen. Keine unserer Handlungen kann uns ein Gestern zurückbringen, das nicht mehr existiert.

Für ein „Ja“ zu unserer Vergangenheit braucht es Mut. Mut zur Ehrlichkeit und Durchhaltevermögen. Vergangenheitsbewältigung ist ein aktiver Prozess. Um „Ja“ zu sagen ist es wichtig über die Geschehnisse nachzudenken, zu analysieren und das von einem neuen Standpunkt und Blickwinkel aus.


Warum habe ich so reagiert oder entschieden?

Was lerne ich daraus?

Was war mein Anteil?

Wie hat mich das Ereignis positiv beeinflusst?


Das sind einige Fragen, die wir uns stellen können.

Für ein „Ja“ zu unserer Vergangenheit brauchen wir Selbstmitgefühl und Selbstwertschätzung.

Selbstmitgefühl und Selbstwertschätzung stärken die Seele.

Mitgefühl für andere zu entwickeln, lernen wir schnell. Mitgefühl mit sich selbst zu haben, ist mitunter eine schwierige Aufgabe. Es geht dabei nicht um das „schwelgen“ im Selbstmitleid, sondern der liebevolle Umgang mit uns selbst. Das fängt mit dem Selbstgespräch an. Wie sprechen wir mit uns? Wie mit einem zutiefst geliebten Menschen oder schimpfen wir mit uns und kritisieren ständig an uns herum? Begegnen wir uns freundlich? Loben wir uns für gelungene Dinge?


Ein heilsames Ritual ist ein Glückstagebuch zu schreiben. Was hat mir Freude gemacht? Wo habe ich ein Lächeln geschenkt? Welche Aufgabe ist mir gelungen? Wer liebevoll mit sich selbst umgeht, kann auch mit seinen Mitmenschen liebevoll umgehen. So, wie wir unseren eigenen Wert erkennen, sehen wir auch den Wert der anderen. Es ist viel leichter, Konflikte auszuhalten und zu lösen, wenn wir unserer eigenen Stärke bewusst sind.

Für ein „Ja“ müssen wir lernen, im Hier und Jetzt zu leben.

Wir brauchen Inhalte und ein Umfeld, dass uns in der Gegenwart hält, unser Leben neu füllt. Hobbys, neue Interessen, Freunde helfen uns im Hier und Jetzt zu sein. Manchmal müssen wir eine neue Gegenwart gestalten, um die Vergangenheit hinter uns zu lassen.


Zu lernen den Blick auf das Wunderbare und Schöne zu lenken, den Moment leben und genießen, hilft uns die Geschichten der Vergangenheit ruhen oder los zu lassen.

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Judith Menne  - Neue Straße 26 - 30989 Gehrden - 05108-92 56 43

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